37./ Wie konntest du nur...?

   

Wie konntest du nur..?

Als ich noch ein Welpe war,unterhielt ich Dich mit meinen Possen

und brachte Dich zum Lachen.

Du nanntest mich Dein Kind,und Trotz einer Anzahl durchgekauter

Latschen

und so manchem abgeschlachteten Sofakissen wurde

ich Dein bester Freund.

Immer,wenn ich böse war,erhobst Du Deinen Zeigefinger und

fragtest mich "Wie konntest Du nur ?"

-aber dann gabst Du nach und drehtest mich auf den Rücken,

um mir den Bauch zu kraulen.

Mit meiner Stubenreinheit dauerte es ein bisschen länger

als erwartet,denn Du warst furchtbar beschäftigt,

aber zusammen bekamen wir das in den Griff.

Ich erinnere mich an jene Nächte,

in denen ich mich im Bett an Dich kuschelte und

Du mir Deine Geheimnisse und Träume anvertrautest,

und ich glaube,das Leben könnte schöner nicht sein.

Gemeinsam machten wir lange Spaziergänge im Park,

drehten Runden mit dem Auto,holten uns Eis

(ich bekam immer nur die Waffel,

denn"Eiskrem ist schlecht für Hunde",sagtest Du),

und ich döste stundenlang in der Sonne,

während ich auf Deine abendliche Rückkehr wartette.

Allmählich fingst Du an,mehr Zeit mit Arbeit und

Deiner"Karriere" zu verbringen und

auch damit,Dir einen menschlichen Gefährten zu suchen.

    Ich warte geduldig auf Dich,

tröste Dich über Frauenendtäuschungen hiweg,

tadelte Dich niemals wegen schlechter Endscheidungen und

überschlug mich vor Freude,

wenn Du heimkamst und als Du Dich verliebtest.
 Sie,jetzt Deine Frau,ist kein"Hundemensch"-

trotzdem hies ich sie in unserem Heim willkommen,

versuchte ihr meine Zuneigung zu zeigen und gehorchte ihr.

Ich war glücklich weil Du glücklich warst.

Dann kamen die Menschenbabies,und ich teilte Deine Aufregung darüber.

Ich war fasziniert von ihrer rosa Haut und ihrem Geruch und

wollte sie genauso bemuttern.

Nur dass Du und Deine Frau Angst hattest,ich könnte ihnen wehtun,

und so verbrachte ich die meiste Zeit

verbannt in einem anderen Zimmer oder in meiner Hütte. 
  Oh,wie sehr wollte auch ich sie lieben,aber ich wurde zu einem

"Gefangenen der Liebe"

Als sie größer waren,wurde ich ihr Freund.

Sie krallten sich in meinem Fell fest,zogen sich daran hoch auf wackligen Beinchen,

pieksten ihre Finger in meine Augen,

inspizierten meine Ohren und gaben mir Küsse auf die Nase.

Ich liebte alles an ihnen und ihre Berührung

denn Deine Berührung war jetzt so selten geworden -

und ich hätte sie mit meinem Leben verteidigt, wenn es nötig gewesen wäre.

 Ich kroch heimlich in ihre Betten, hörte ihren Sorgen und Träumen zu,

 und gemeinsam warteten wir auf das Geräusch Deines Wagens in der Auffahrt.
Es gab einmal eine Zeit,

da zogst Du auf die Frage,

ob Du einen Hund hattest,

ein Foto von mir aus der Brieftasche und erzähltest Geschichten über mich. 
In den letzten Jahren hast Du nur noch mit "Ja" geantwortet und das Thema gewechselt. 

Ich hatte mich von "Deinem Hund" in "nur einen Hund" verwandelt,

   und jede Aufgabe für mich wurde Dir ein Dorn im Auge.

Jetzt hast Du eine neue Berufsmöglichkeit

in einer anderen Stadt,

und Du und sie werdet in ein neum Heim ziehen,

in der Haustiere nicht gestattet sind.

Du hast die richtige Wahl für "Deine" Familie getroffen,

aber es gab einmal eine Zeit,

da war ich Deine einzige Familie.

 Ich freute mich über die Autofahrt,

bis wir an der Tieraufbewahrungsanstallt ankamen.
  Es roch nach Hunden und Katzen, 

nach Angst,

nach Hoffnungslosigkeit.

     Du fülltest die Formulare aus und sagtest "Ich weiß,

        Sie werden ein gutes Zuhause für sie finden".    
        Mit einem Achselzucken warfen sie Dir einen gequälten Blick zu.

 Sie wissen, was einen Hund oder eine Katze in "mittleren" Jahren erwartet auch mit

"Stammbaum".

Du musstest Deinem Sohn jeden Finger einzeln vom Halsband lösen,
als er schrie "Nein, Papa! Sie dürfen mir meinen Hund nicht wegnehmen!" 

Und ich machte mir Sorgen um ihn und um die Lektionen,    

die Du ihm gerade beigebracht hattest über Freundschaft und Loyalität, 

 über Liebe und Verantwortung,  

und über Respekt vor allem Leben. 

            Zum Abschied hast Du mir den Kopf getätschelt,                 

meine Augen vermieden 

 und höflich auf das Halsband und die Leine verzichtet.

Du hattest einen Termin einzuhalten, und nun habe ich auch einen.

Nachdem Du fort warst, sagten die beiden netten Damen,

Du hättest wahrscheinlich schon seit Monaten

 von dem bevorstehenden Umzug gewusst

und nichts unternommen,

                um ein gutes Zuhause für mich zu finden.                  

                     Sie schüttelten den Kopf und fragten                    

  "Wie konntest Du nur?"
Sie kümmern sich um uns hier in das Tieraufbewahrungsheim so gut es eben geht.

Natürlich werden wir gefüttert,

aber ich habe meinen Appetit schon vor Tagen verloren.

Anfangs rannte ich immer vor ans Gitter,

sobald jemand an meinen Käfig kam,

in der Hoffnung,

das seiest Du -

dass Du Deine Meinung geändert hättest -

dass all dies nur ein schlimmer Traum gewesen sei ...oder ich hoffte,

dass es zumindest jemand wäre,

der Interesse an mir hätte und mich retten könnte.

Als ich einsah, 

dass ich nichts aufzubieten hatte gegen das vergnügte

Um-Aufmerksamkeit-Heischen

unbbeschwerte Welpen,

ahnungslos gegenüber ihrem eigenen Schicksal,

zog ich mich in eine ferne Ecke zurück und wartete.
Ich hörte ihre Schritte als sie am Ende des Tages kam,

um mich zu holen

und trottete hinter ihr her den Gang entlang

zu einem abgelegenen Raum.

Ein angenehm ruhiger Raum.

Sie hob mich auf den Tisch und kraulte meine Ohren und sagte mir,

es sei alles in Ordnung.

Mein Herz pochte vor Aufregung,

 was jetzt wohl geschehen würde,

aber da war auch ein Gefühl der Erleichterung.

 Für den Gefangenen der Liebe war die Zeit abgelaufen.
Meiner Natur gemäss war ich aber eher um sie besorgt.

     Ihre Aufgabe lastet schwer auf ihr,

    und das fühlte ich, 

    genauso wie ich jede Deiner Stimmungen erfühlen konnte.


Behutsam legte sie den Stauschlauch an meiner Vorderpfote an,

während eine Träne über ihre Wange floss.

Ich leckte ihre Hand, um sie zu trösten,

genauso wie ich Dich vor vielen Jahren getröstet hatte.

Mit geübtem Griff führte sie die Nadel

in meine Vene ein.

 Als ich den Einstich fühlte und spürte,

wie die kühle Flüssigkeit durch meinen Körper lief,

wurde ich schläfrig und legte mich hin,

blickte in ihre gütigen Augen und flüsterte

"Wie konntest Du nur?"
Vielleicht verstand sie die Hundesprache und sagte deshalb

 "Es tut mir ja so Leid".

Sie umarmte mich und beeilte sich mir zu erklären,

es sei ihre Aufgabe dafür zu sorgen,

dass ich bald einem besseren Ort wäre,

wo ich weder ignoriert 

noch missbraucht

noch ausgesetzt werden könnte

oder

auf mich allein gestellt wäre

einem Ort der Liebe und des Lichts,
vollkommen anders als dieser irdische Ort.

Und mit meiner letzten Kraft 

versuchte ich ihr mit einem Klopfen

meines Schwanzes zu verstehen zu geben,

dass mein

"Wie konntest Du nur ?"

nicht ihr gegolten hatte.

Du warst es, mein geliebtes Herrchen,

an den ich dachte.

 Ich werde für immer an Dich denken

 und auf Dich warten.
 
 Möge Dir ein jeder in Deinem Leben so viel Loyalität zeigen.


 Verfasser: Jim Willis

 

 

 

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